Honorar & Kosten Oktober 2025 ca. 9 Min. Lesezeit

Was kostet Projektsteuerung
nach AHO? Honorar, Stundensätze
& Kalkulation

Die Honorarfrage stellt sich früh — und sie ist berechtigt. Dieser Artikel erklärt transparent, wie Projektsteuerungshonorar nach AHO Heft 9 berechnet wird, welche Faktoren den Preis bestimmen und warum die Investition sich fast immer lohnt.

„Was kostet das?" ist meistens die erste Frage, die ich in einem Erstgespräch höre. Und sie ist absolut berechtigt. Projektsteuerung ist eine Investition — und wie bei jeder Investition sollten Kosten und Nutzen transparent sein, bevor man eine Entscheidung trifft.

In diesem Artikel erkläre ich offen, wie das Honorar für Projektsteuerungsleistungen in Deutschland kalkuliert wird, welche Faktoren den Preis beeinflussen und wie Sie Angebote verschiedener Projektsteuerer sinnvoll vergleichen können.

Grundlage der Honorarberechnung: AHO Heft 9

AHO Heft 9 (4. Auflage 2020) definiert nicht nur das Leistungsbild der Projektsteuerung, sondern enthält auch eine Honorartafel. Diese orientiert sich an den anrechenbaren Kosten des Projekts und gibt Honorarspannen für verschiedene Projektstufen und Honorarzonen vor.

Das Grundprinzip: Je höher die Baukosten, desto höher das absolute Honorar — aber desto geringer ist der prozentuale Anteil der Projektsteuerung an den Gesamtkosten. Große Projekte profitieren also von einer Art Mengenstaffelung.

Die drei Vergütungsmodelle im Überblick

AHO Heft 9 lässt verschiedene Vergütungsformen zu, die je nach Projekttyp und Risikoverteilung sinnvoll sind:

1. Prozentuale Vergütung (% der anrechenbaren Kosten)

Das klassische Modell. Das Honorar wird als Prozentsatz der anrechenbaren Baukosten berechnet. Vorteil: automatische Anpassung bei Kostenänderungen. Nachteil: Der Projektsteuerer hat strukturell kein Interesse daran, die Baukosten zu senken — denn das würde sein Honorar reduzieren.

In der Praxis liegt der Honorarsatz bei 1,0 % bis 3,0 % der anrechenbaren Kosten — abhängig von Projektgröße, Honorarzone und vereinbartem Leistungsumfang.

2. Pauschalhonorar

Ein fest vereinbarter Betrag für klar definierte Leistungen. Das ist für Bauherren das transparenteste Modell — man weiß von Anfang an, was man zahlt. Gute Projektsteuerer können ein Pauschalhonorar fair kalkulieren, wenn der Leistungsumfang klar definiert ist. Leistungsänderungen müssen dann zusätzlich vereinbart werden.

3. Stundenhonorar

Abrechnung nach tatsächlich aufgewendeten Stunden. Sinnvoll bei schwer abgrenzbaren Leistungen, bei projektbegleitender Beratung oder wenn nur Teilleistungen benötigt werden. Typische Stundensätze für erfahrene Projektsteuerer liegen je nach Region und Spezialisierung bei 120 € bis 220 € netto pro Stunde.

Meine Empfehlung: Für den Regelfall empfehle ich ein Pauschalhonorar auf Basis einer transparenten Stundenplanung. So haben Sie als Bauherr Kostensicherheit, und ich kann meinen Einsatz fair kalkulieren. Änderungen des Leistungsumfangs werden separat bewertet.

Honorarzonen: Was beeinflusst die Höhe?

AHO Heft 9 staffelt das Honorar nach Honorarzonen, die die Komplexität des Projekts widerspiegeln. Je höher die Zone, desto höher das Honorar für dieselben Leistungsphasen.

HonorarzoneCharakteristikTypische Projekttypen
Zone IGeringe Anforderungen, überschaubare KomplexitätEinfache Hochbauprojekte, standardisierte Bauten
Zone IIDurchschnittliche AnforderungenBüro- und Gewerbebau, Wohnungsbau mit mittlerer Komplexität
Zone IIIHohe Anforderungen, viele SchnittstellenKliniken, Industrieanlagen, komplexer Hochbau
Zone IVSehr hohe Anforderungen, außergewöhnliche KomplexitätInfrastruktur, Bahnprojekte, Sonderbauwerke

Die Einordnung in eine Zone erfolgt auf Basis mehrerer Kriterien: Anzahl der Planungsbeteiligten, Komplexität der Koordination, Anzahl der Schnittstellen, Anforderungen an Dokumentation und Controlling, besondere technische Anforderungen.

Konkrete Honorarbeispiele

Um eine Orientierung zu geben, zeige ich exemplarische Größenordnungen. Diese Zahlen sind Richtwerte — das tatsächliche Honorar hängt von Leistungsumfang, Zone, Projektstufen und individueller Vereinbarung ab:

2–4%
Kleines Projekt
< 2 Mio. € Baukosten
Zone II, volle LPH 0–9
1,5–2,5%
Mittleres Projekt
2–10 Mio. € Baukosten
Zone II–III
1–2%
Großes Projekt
10–50 Mio. € Baukosten
Zone III–IV
< 1,5%
Sehr großes Projekt
> 50 Mio. € Baukosten
Zone IV (Infrastruktur)

Ein Beispiel: Bei einem Bauprojekt mit 5 Millionen Euro anrechenbaren Kosten in Honorarzone II, mit Projektsteuerung über alle Leistungsphasen, kann das PS-Honorar in einer Größenordnung von 80.000 bis 125.000 Euro netto liegen — je nach vereinbartem Leistungsumfang und Verhandlungsergebnis.

Was ist mit der HOAI? Der Unterschied im Überblick

Projektsteuerungsleistungen nach AHO Heft 9 sind nicht in der HOAI geregelt. Die HOAI erfasst die Leistungen von Architekten und Ingenieuren (Planung, Bauleitung, Objektüberwachung). Projektsteuerung ist eine davon unabhängige Leistung.

Das bedeutet: Das Honorar für Projektsteuerung ist — anders als HOAI-Honorare bis zur Novelle 2021 — frei verhandelbar. AHO Heft 9 gibt dabei einen Orientierungsrahmen, aber keine verbindliche Mindestvergütung. Das ist ein Vorteil für den Markt, erfordert aber auf Bauherrenseite die Fähigkeit, Angebote inhaltlich zu vergleichen.

Besondere Leistungen: Was kostet Extra?

AHO Heft 9 unterscheidet zwischen Grundleistungen (im Standardhonorar enthalten) und Besonderen Leistungen, die zusätzlich zu vergüten sind. Beispiele für Besondere Leistungen und ihre typische Honorierungsform:

Besondere LeistungTypische Vergütung
BIM-Management / BIM-KoordinationPauschal oder % der Baukosten (0,1–0,3 %)
Lean Construction / Last Planner SystemStundenhonorar oder Pauschal
Earned Value ManagementMonatlicher Pauschalbetrag
Claim-Dokumentation / KlagevorbereitungStundenhonorar
Due-Diligence-BegleitungStundenhonorar oder Pauschal
Projektreviews und AuditsTagessatz (typisch: 1.200–1.800 € netto)

Was bestimmt den Preis wirklich? Die fünf wichtigsten Faktoren

Warum günstiger Projektsteuerer teurer wird

Es klingt wie eine Binsenweisheit, ist aber in der Praxis oft unterschätzt: Ein Projektsteuerer, der 20 % weniger Honorar verlangt, aber 30 % weniger Nachträge abwehrt, kostet Sie am Ende deutlich mehr.

Professionelle Projektsteuerung hat einen messbaren Wert. In meiner Erfahrung liegt das Verhältnis von Projektsteuerungshonorar zu vermiedenem Schaden oder erzielter Einsparung regelmäßig bei 1:5 bis 1:15. Das ist keine Marketing-Behauptung, sondern das Ergebnis strukturierter Controlling-Methoden, die ich in jedem Projekt einsetze.

1:10
Typisches Kosten-Nutzen-
Verhältnis professioneller
Projektsteuerung
20–35%
Durchschnittliche
Nachtragskostenquote
ohne PS-Kontrolle
frei
Honorar ist frei
verhandelbar —
AHO gibt Orientierung
+19%
MwSt. auf alle
genannten Honorare
zusätzlich

Wie Sie Angebote sinnvoll vergleichen

Wenn Sie mehrere Angebote von Projektsteuererern einholen, vergleichen Sie nicht nur den Preis — sondern prüfen Sie:

Was ich konkret für mein Honorar biete

Als unabhängiger, zertifizierter Projektsteuerer (DVP, GPM) mit Schwerpunkt Bahninfrastruktur, Hochbau und IT-Projekte biete ich:

Fazit: Honorar als Investition, nicht als Kostenfaktor

Projektsteuerungshonorar ist keine Ausgabe, die man minimieren sollte — es ist eine Investition mit messbarem Return. Wer 1–2 % der Baukosten in professionelle Projektsteuerung investiert, hat typischerweise 10–20 % der Baukosten unter Kontrolle, die andernfalls durch Nachträge, Verzögerungen und Qualitätsmängel verloren gehen.

Die Frage ist nicht: „Kann ich mir einen Projektsteuerer leisten?" Die Frage ist: „Kann ich mir leisten, keinen zu haben?"

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